Freddie Mercury: Queen machen Schluß mit der Bühnenshow

Popfoto, 1977

Egal, wann man Freddie Mercury trifft: Er hat immer einen Spruch drauf, mit dem man absolut nicht rechnet. Als POPFOTO ihn "jetzt bei einem Londoner Wishbone Ash-Konzert hinter der Buhne traf, kam er auch gleich mit einer wichtigen Neuigkeit zur Sache.

Wir haben die Nase voll von dem verrückten Theater, das wir bisher auf der Bühne geniacht haben," erzählt Freddie Mer-cury und trinkt einen Schluck Champagner, den die Plattenfirma von Wishbone Ash für die geladenen Gäste kistenweise bereitgestellt stellt hat.

Dann fährt er fort: „Ab 1978 ändern wir unser Image. Erstens, weil wir die Show schon so lange machen. Zweitens, weil sie auf die Dauer zu sehr ins Geld geht. Drittens, weil ich es satt habe, pausenlos mit Mick Jagger verglichen zu werden. Und viertens, weil wir zeigen wollen, daß wir auch ohne das ganze Drum und Dran eine Überband sind!"

Freddie sagt dies mit ernstem Gesicht und der Champagner scheint ihm auch zu bekommen - also keine leeren Spruche vom Queen-Boß. „Ich meine es damit wirklich verdammt ernst", betont er. Den Entschluß, auf höllische Lautstärke, Überproduktion, hautenge Bühnenkleidung, Rauchwolken und sonstige Utensilien demnächst zu verzichten, traf die Band vor einigen Wochen. Mercury: „Als wir den Brittania Award für die beste Single der letzten 25 Jahre („Bohenuan Rapsody") bekamen, da war uns allen klar, daß wir es geschafft hatten. „We are the Champions" (Wir sind die Champions), wie es auf unserer neuen Single so schön heißt. Jetzt haben wir das ganze Theater, mit dem wir bisher auf uns aufmerksam gemacht haben, nicht mehr nötig. Und können endlich ganz 'normale' dufte Rockmusikei sein." Freddie sagt das alles mit dem Brustton der Überzeugung. Und Brian May, der plötzlich hinter ihm steht, murmelt ein leises aber unüberhörbares „Stimmt!" zu Freddies Erzählungen.

Angst, daß Queen-Fans die geplante Veränderung übel nehmen könnten, haben Freddie, Brian, John und Roger nicht. „Im Gegenteil!" meint Freddie. „ich bin mir ganz sicher, daß wir eher noch Fans hinzubekommen, als welche zu verlieren. Diejenigen nämlich, die glauben, daß unser Erfolg mit der Show steht und FäUt, werden einsehen müssen, daß wir auch ohne das Brimborium die Besten sind."

Anfang des Jahres wollen Queen ins Studio gehen und mit der - im wahrsten Sinne des Wortes - neuen Produktion beginnen. Bassist John Deacon:

„Wir haben nämlich keine Lust, bald so verkonuneraialisiert zu sein wie beispielsweise die Eagles. Anfangs waren deren Platten unheimlich stark. Aber jetzt ist bei denen alles reiner Kommerz. Und wenn wir nicht aufpassen, geht es uns eines Tages ebenso. Nee, da machen wir jetzt lieber den Schritt zurück zur Natur."

Alle vier Queen-Mitglieder betonen allerdings, daß die Punkwelle, die England überschwemmt, nichts mit diesem Entschluß zu tun hat. „Wir wollen unsere Musik lediglich .ursprünglich' machen", sagt Freddie. „Das soll aber noch lange nicht heißen, daß wir es mit den Punkem halten und einfach in die Saiten hauen. Die Fans müssen sich allerdings noch eine Weile gedulden bis sie wissen, was wir mit Ursprünglichkeit' meinen."

Denn einstweilen hören wir Queen noch im alten Stil. Und bisher hat Freddie seine auf Sex getrimmten Bühnenklamotten nicht in die Ecke, geschweige denn auf den Müll geschmissen. Obwohl er privat schon seit euliger Zeit dabei ist, sein Image zu verändern. Sah man ihn zuvor meistens nur in teuren Satin-Anzügen, so trägt der König jetzt schon mal verwaschene Jeans und Lederjacke. „Ich werde eben alt," meint er. „Mit 31 ist es langsam an der Zeit, ruhiger zu werden."

Torschlußpanik hat er deshalb aber noch lange nicht: Die attraktive Mary Austin, mit der Freddie schon seit einigen Jahren zusammenlebt, darf sobald nicht damit rechnen, Mrs. Mercury zu werden. „Mit dem Trauschein geht die Romantik flöten", meint Freddie. „Da leben wir doch lieber in wilder Ehe und lieben uns, als daß wir eine langweilige Ehe und darauffolgende Scheidung riskieren." Bisher zeigt sich bei den beiden noch keine Spur vom grauen Alltag: Freddie behandelte Mary bei dem Konzert so galant, als hätten sie sich gerade eben erst getroffen.


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