Brian May: "Ich Wollte Sterben!"
POP/Rocky: Brian, du bist der erste der drei verbliebenen
Queen-Mitglieder, der nach dem Tod von Freddie Mercury wieder
musikalisch an die Öffentlichkeit tritt. Dachtest du jemals daran
ganz aufzuhören?
Brian May: Nein. Mir hat Arbeit immer über Schicksalsschläge
hinweggeholfen.
POP/Rocky: Also ist dein erstes Solo-Album „Back To The
Light" nach 20 Jahren „Ehe" mit Queen sowas wie eine
Therapie?
Brian: Genau! Die letzten sechs Jahre waren die schlimmsten
meines Lebens. Erst starb mein Vater. Dann trennte ich mich von meiner
Frau Chrissie und schließlich Freddies Tod. Ich war total am Ende,
dachte sogar an Selbstmord. Das kam natürlich nicht in Frage. Schließlich
habe ich drei Kinder und eine Lebensgefährtin, die mich brauchen.
(Brians Kinder Jimmy, 14, Sonia, 11 und Emily, 5 leben bei der Mutter.
Brian lebt mit seiner Freundin Anita Dobson zusammen). Also habe ich
mich hingesetzt und gefragt: Wie komme ich von der Schattenseite des
Lebens wieder auf die Sonnenseite, eben „Back To The Light"?
POP/Rocky: Warum hat es dann solange gedauert bis das Album fertig
war?
Brian: Queen war ein Vollzeit-Job und hatte absolute Priorität.
Da blieb nicht viel Zeit für mein eigenes „Baby".
POP/Rocky: Wird es Queen nochmal geben?
Brian: Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht so bald. John Deacon
hat sich erstmal ins Privatleben zurückgezogen. Roger Taylor hat ja
schon zu Freddies Lebzeiten seine eigene Band "The Cross"
gegründet. Außerdem, wer sollte Freddies Part übernehmen? Ich kenne
keinen, der das drauf hätte. POP/Rocky: Wie lange vor Freddies Tod wußtest
du, daß er Aids hat?
Brian: Ich wußte es überhaupt nicht. Er hielt es geheim.
Unglaublich, aber er wollte Rücksicht auf uns nehmen, nicht sein
Problem zu unserem machen. Wir merkten erst etwas von seiner
Krankheit, als er sich physisch veränderte und unheimlich dünn
wurde.
POP/Rocky: Die Queen-Videos waren im Gegensatz zu deinem neuen
Video „To Much Love Will Kill You" immer sehr aufwendig. Wie
kommt das?
Brian: Freddie liebte Videos. Er war der geistige Vater vieler
Video-Ideen bei Queen. Als er sich für „l Want To Break Free"
in Frauenklamotten steckte, kriegte er sich nicht mehr ein vor lachen
und sprang herum wie ein kleiner Junge. Ich dagegen versuche zuviel
Firlefantz zu vermeiden. Das lenkt nur von der Musik ab. „To Much
Love Will Kill You" ist ein sehr trauriger Song, der von einer
gescheiterten Beziehung handelt. Das ist kein Drehbuch für „Krieg
der Sterne".
POP/Rocky: Wirst du auf Tour gehen?
Brian: Unbedingt! Auch wenn ich noch nicht genau weiß, welche
Musiker dabei sein werden. Aber das wird sich bald regeln. Das Feeling
wird so sein wie am Anfang mit Queen - ein Sprung ins kalte Wasser... |