Brian May Eigenbau

Metal Hammer, 1994

Wenn es eine Gitarre gibt, um die sich Legenden und Anekdoten ranken,dann um BRIAN MAYs Gitarre. Mittlerweile ist es mehr als 26 Jahre her, daß sein Vater und er durch zähes Tüfteln und stures Ausprobieren ein Instrument der Extraklasse hervorbrachten. Damals war der gute Brian schlappe 18 Jahre alt. Eines ist seitdem bis zum heutigen Tag gültig: Gitarrenbau muß nicht teuer sein! Absolut abenteuerlich, aus welchen Bestandteilen Papa und Sohnemann May eine Sechssaitige zauberten, deren Klang die Hardrockfreunde auch heute noch lustvoll lauschen:

„Unser zentrales Problem war damals nicht die Bauweise, sondern das Material. Wir hatten weder Geld noch die Erfahrung, eine Gitarre herzustellen. Mein Vater und ich mußten uns mit dem begnügen, was uns zur Verfügung stand. Glücklicherweise war Dad war eine Mischung aus Ingenieur, Erfinder und Genie. Meine Familie besaß als erste in unserem Wohnblock einen Femseher - natürlich von ihm selbst gebaut. Er war Elektroingenieur und besaß vom Tischlern eine Menge Sachverstand. Klanglich schwebte uns der Sound einer Straf vor. Hingegen war die Idee, ein Instrument mit 24 Bünden zu bauen, von uns. Für den Hals der Gitarre haben wir einen 126 Jahre alten Mahagonibalken verwendet, der lange Jahre quer über einem Kamin eingemauert war. Das Holz besaß sogar einige Holzwurmlöcher. Allerdings waren die Würmer durch die Kaminhitze abgestorben und der Balken auf diese Weise wunderbar abgelagert und trocken. Für

den Kern des Bodys mußte ein Möbelstück dran glauben. Wir sägten ein Stück aus der Platte eines Eichentisches. Das Holz war steinhart, es dauerte Wochen, bis wir die gewünschte Form herausgearbeitet hatten. Um dem Body ein gleichmäßges Finish zu geben, funierten wir das Eichenbrett mit zwei Lagen Mahagoni. Zuvor hatten wir in das Kernbrett Luftlöcher und Aussparungen wie bei einer halbakustischen Gitarre geschnitten.

Der Sound

Obwohl meine Gitarre von außen massiv aussieht, ist sie von innen etwa zur Hälfte hohl. Durch diese Hohlräume entsteht der typische Sound - meine Gitarre singt wie ein Vogel! Die Tonabnehmer waren eine Erfindung meines Vaters. Dad erklär

te mir das Prinzip der Spule. Wir bauten eine Wickelmaschine und rollten soviel Spulendraht wie möglich darauf. Dann schraubten wir diesen Tonabnehmer auf eine spanische Gitarre, schlössen sie an Daddys Radio und lauschten dem Ergebnis - es funktionierte! Allerdings mußten wir diese Pickups wegen ihrer zu starken Nebengeräusche ausbauen und durch drei gebrauchte Burns-Tonabnehmer ersetzen. Sie funktionieren bis heute sehr gut. An diesem Instrument ist seit 20 Jahren nichts mehr verändert worden. Guild baut meine Gitarre jetzt in Serie und kommt damit dem Original erstaunlich nahe.

Das Tremolo

Dann standen wir vor einem großen Problem: Es gab damals kein Tremolosystem, das unseren Vorstellungen entsprach und verstimmfrei arbeitete. Also habe ich den Tremoloblock aus einer alten Messerklinge per Hand herausgefeilt. Nach diesem Prinzip arbeitet heute fast jedes Tremolo: Zwei Kanten liegen rechtwinkelig auf zwei Stehbolzen, dadurch läßt sich das System fast reibungsfrei betätigen. Als Tremolohebel löteten wir eine dünne Stange aus einem alten Fahrradsattel auf den Block, der Plastikknopf am Hebelende saß früher auf einer alten Stricknadel. Not macht erfinderisch! Um den Zug der Saiten auszugleichen, nahm ich einige Federn aus einem alten Motorrad.

Fazit

Alles an dieser Gitarre ist alter Trödel und Gerumpel. Da sich ein Instrument mit Tremolo meist durch Reibung am Sattel verstimmt, entwickelte mein Vater einen Rollensattel, über den die Saiten fast reibungsfrei gezogen werden können. Ich glaube, wir haben damals nicht mehr als hundert Mark für den Bau dieser Gitarre bezahlt. Das sollte zu denken geben!"

Brian May

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