Queen auf dem Weltraum-Trip
Warum Freddie und Co. die Musik zu dem Science-fiction-Film
„Flash Gordon" schrieben, verriet Brian May im
BRAVO-Interview..
BRAVO: Wie kommt eine Rockband wie Queen eigentlich dazu. die
Musik für einen Science-fiction-Film zu schreiben?
Brian: Untere amerikanische Plattenfirma hat einen
Publlka-tlonsvertrag mit Dino De Laurentlls, dem Produzenten von
„Flash Gordon", für die Soundtracks seiner nächsten drei
Filme abgeschlossen. Sie stellte den Kontakt zwischen Dino und uns
her. Er wollte einen Science-flction-Fllm besonderer Art machen und
hatte deshalb wohl von Antang an die Idee Im Kopf. eine Rockband
ranzulassen.
BRAVO: Was reizte Queen so sehr an dem Film, daß ihr trotz
Tournee- und Studio-Streß dazu bereit wart, den Soundtrack zu
schreiben und aufzunehmen?
Brian: Normalerweise bekommt eine Rockband nur Angebote für
Rock- oder andere Filme. In denen die Songs eine bestimmte Rolle In
der Handlung spielen. Bei Flash mußten wir eine gute Untermalung für
die Bilder liefern, was eine sehr interessante Autgabe ist. Außerdem
fanden wir die Grundidee des Films gut. Trotzdem stürzten wir uns
nicht wie wild auf das Angebot, sondern sagten: „Wir versuchen es
mal. Wenn es klappt - wunderbar." Als Produzent und Regisseur
sich anhörten, was in einer Woche Arbeit bei uns rausgekommen war,
waren sie begeistert. Von da an steuerten auch sie Ihre Ideen bei.
BRAVO: ist es ein großer Unterschied für euch, ob Ihr eine
Original-Queen-LP oder. wte jetzt mit „Flash", ein
Soundtrack-Album aufnehmt?
Brian: Ich glaube, das Album "Flash" hat mehr von
einem typischen Queen-Album als von einem typischen Soundtrack-Album.
Wir haben zuerst die Fllm-Musik aufgenommen, sie später neu
zusammengestellt und noch mit ein paar Kleinigkeiten versehen, so daß
man jetzt auf der Platte die Story des Films genau mitverfolgen kann.
BRAVO: Die Hauptarbeit an dem ganzen Projekt hast du allein
geleistet. Wie kam das?
Brian: Als wir das Ding endgültig abliefern sollten, standen
wir alle unter Zettdruck. Und Ich war derjenige, den das Filmprojekt
am meisten Interessierte. So blieb die Aufgabe, unsere Aufnahmen endgültig
abzumlschen und synchron dem Film anzupassen, an mir und Mack. unserem
Ton-Ingenieur. hängen. Es hat aber eine Menge Spaß gemacht. Ein
Soundtrack Ist ein Gemisch aus Sprache und Sound-Effekten aus der
Filmhandlung und der dazu unterlegten Musik. Der Zuschauer muß alle
drei Dinge gleich gut versieben können, ohne daß sie sich
miteinander vermischen. Den Regisseur interessiert natürlich vor
allen Dingen die Verständlichkeit seiner Dialoge, so daß er unsere
Musik auf seiner Fassung stellenweise zu weit in den Hintergrund gedrückt
hatte. Mit unserem endgültigen Mix konnten Mack und Ich da noch viel
retten.
BRAVO: Stimmt es. daß Ihr. nachdem Ihr eine
30-Minuten-Rohtassung des Films gesehen habt. untereinander aufgeteilt
habt. wer für welche Filmflgur die Musik schreibt?
Brian: Nicht ganz. aber fast. Zunächst waren wir einlach für
eine Woche zusammen im Studio und spielten mit unseren Ideen rum.
Dabei entstand die Basis für den Soundtrack. Zum Beispiel hatte Ich
schon beim ersten Anschauen der Rohfassung die Idee für das
Hauptthema „Flash's Theme" - ein paar Tone. die Ich Irgendwie
zu einer pathetischen Heldenmusik zusammenbauen woltte. Nach der
ersten Woche wußten wir genau, für welche Stellen des Films wir noch
was brauchten. Wir hatten nichts, was zu Ming, Flashs Gegner, paßte.
Da sagte Freddie plötzlich: „Okay, ich bekomme ja immer die düsteren
Sachen ab", ging nach Hause und kam am nächsten Tag mit einem
tollen MIng-Thema zurück.
BRAVO: Wer von euch schrieb welche Themen?
Brian: John hatte die Idee für eine hübsche Drei-Töne-Melodie.
aus der er das "Arboria Theme". das die Atmosphäre auf dem
Planeten der Baummenschen beschreibt, machte. Roger schrieb „Escape
trom the Swamp", das im Film an der Stelle erklingt, wo Flash aus
dem Sumpf mit all den Untieren, die Ihn verfolgen, entkommt. Außerdem
stammt von Roger „In the Death Cell". Freddie schrieb
„Vultan's Theme".
BRAVO: Was habt Ihr für ein Gefühl. wenn ihr jetzt den Film
mit eurer Musik anschaut?
Brian: Zufrieden mit bestimmten Einschränkungen. Wenn Ich zwei
Wochen mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich noch eine Menge besser
machen können.
BRAVO: Du hast früher mal Astronomie studiert. Hat dein
Interesse für das Weltall etwas mit deinem Engagement für
einen Science-fiction-Film zu tun?
Brian: Ehrlich gesagt, nein. Ein Science-fiction-Film hat kaum
etwas mit Wissenschaft zu tun, besonders nicht „Flash Gordon".
Es Ist wirklich nur ein spaßiges Stück… |