Queen Mit Hofstaat auf Achse
Ohne unsere Roadie-Crew von über 50 Mann wäreeine Tournee oder
auch nur ein einziges Konzert einfach undenkbar", sagt Gerry
Stikkells, und er muß es wissen. Gerry ist der Tourneemanager von
Queen und als solcher verantwortlich für den Aufbau des gigantischen
technischen Apparates.
Bereits zwei Tage vor Beginn eines Konzertes wird damit begonnen,
die riesige Lichtanlage der Gruppe zu montieren. Das Stahlgerüst mit
einem Gewicht von mehreren Tonnen besteht aus etwa 60 Einzelteilen und
wird von vier fingerdicken Stahlseilen über der Bühne gehalten. Die
darauf montierten Scheinwerfer ergeben zusammen eine Leistung von 500
000 Watt, 1000 Watt pro Lampe. Vor jedem Konzert werden zerbrochene
Farbglasscheiben, die beim letzten Abbau beschädigt wurden, in
Windeseile ausgewechselt. Darüber wacht der Chefbeleuchter der Crew,
Jimmy Barnett. Er ist der absolute Herrscher am computergesteuerten
Lichtpult. Ein Profi auf dem Gebiet der Elektronik ist Licht-Designer
Joe Travato. Er, der auch schon für Gruppen wie Pink Floyd gearbeitet
hat, machte den ganzen Zauber erst möglich.
Nicht weniger als sechs Lkws mit je 36 Tonnen und zehn kleinere
„Tracks" mit je 3 Tonnen Gesamtgewicht stehen für den
Transport der Anlage bereit.
Ein 32-Kanal-Mischpult ist notwendig, um den perfekten Queen-Sound
zu mixen und, über die 40 000-Watt-Verstärkeranlage zu
schicken.
Mit 6 Lichtkanonen und -500 Spots haben Mercury & Co. auf
Tournee den Stromverbrauch einer Kleinstadt. Sechs große Lichtkanonen
mit je 6000 Watt Leistung tauchen die Bühne zwischendurch in gleißend
helles Licht. Zusammen mit den rund 500 kleineren Spots, die die Bühne
von oben beleuchten, hat Queen den Stromverbrauch einer Kleinstadt.
Auf die Frage, ob bei dem ganzen technischen Aufwand nicht die
Musik etwas ins Hintertreffen geraten würde, meinte Brian May,
Gitarrist von Queen: ..Es ist beides notwendig - die Musik und die
Show. Und zur Show gehört nun einmal der technische Aufwand. Wenn man
sich vorstellt, wir würden unsere Musik in einem nüchternen Rahmen
präsentieren, dann wären sicher viele Fans bitterlich enttäuscht.
Der optimale Sound, die Lightshow - und dazu gehört natürlich auch
die Technik-, das alles bildet zusammen eine einzige große Einheit.
Wir brauchen das und unser Publikum auch."
Chris, der "Butler" von Drummer Roger Meddows-TayIor, fängt
dreißig Minuten vor Beginn der Show an zu rotieren. Vier Ersatz-Fußmaschinen
für die Baßtrommel, ein ganzer Packen von Trommelstöcken und ein
paar Beckenständer, bestückt mit unterschiedlichen Cymbals, müssen
bereitgestellt werden. Geht während des Konzerts etwas zu Bruch,
wechselt Brian blitzartig das defekte Teil aus. Reißt ein
Trommelfell, so wird die ganze Trommel durch eine andere ersetzt.
Alles läuft wie am Schnürchen. ..Der größte Erfolg füi mich ist
immer, wenn ich am Ende eines Konzerts sagen kann, daß alles ohne
Schwierigkeiten abgelaufer ist", sagt Brian.
Die fünfzig Roadies von Queen sind es gewohnt, oft mehrere Nächte
nacheinander nur ein paar Stunden zu schlafen. Oft bleibt kaum die
Zeit, zwischendurch einmal ein Würstchen oder einen Hamburger
hinunterzuschlingen. Meistens sind es nur die Sitze der Lkws, die
zwischendurch zu einem kurzen Nickerchen genutzt werden. „Mann, es
schafft uns immer ganz schön", erzählt einer der Jungs, ..wenn
ich wieder zu Hause bin, brauche ich wieder eine ganze Woche, um mich
richtig zu erholen."
Wenn Queen die letzte Zugabe gegeben hat, können alle zufrieden
nach Hause gehen - nur nicht die Roadies. Doch Urlaub gibt es wenig.
Die Tourneen sind lang, und beinahe jeden zweiten Abend steht ein
Queen-Auftritt auf dem Programm. Dann läuft der gnadenlose Countdown
-bis zum Konzertbeginn.
Dann durchbrechen die Lichtkegel der Scheinwerfer das Dunkel und
treffen auf Freddie Mercury und seine Freunde. Der Sound donnert ins
Publikum hinaus.
Doch von alledem bekommt der „Hofstaat" von Queen, die
schwerarbeitende Road-Crew, die hinter den Kulissen ihre Pflicht tut,
nur wenig mit. Ihr Job ist Routine und doch immer wieder neu. Wenn am
Ende der Show die Bühnenlichter erlöschen. ist ihre Arbeit noch längst
nicht getan. Der Abbau beginnt. Zuerst müssen die Instrumente, das
Schlagzeug, Mikrofone und Kabel wieder in die dafür bereitstehenden
Transportkisten geladen werden. Dann folgt das Verstauen der Verstärker,
Mischpulte und Scheinwerfer, die für zwei Stunden ihre Pflicht und
Schuldigkeit wieder einmal erfüllt hatten.
Längst liegen Brian May, John Deacon, Roger Meddows-TayIor und
Freddie Mercury in ihren Hotelbetten, wenn sich der letzte Roadie vor
der Weiterfahrt im Morgengrauen noch ein kühles Bier genehmigt.
Willi Kopenberger |